March 10, 2007
Grand Prix Vorentscheid – Jahrmarkt der Peinlichkeiten
Aua, das tat weh. Gottseidank hab ich mir diesen Müll nur beim Zappen hin und wieder mal reingezogen, auch in der (natürlich vergeblichen) Hoffnung, dass da irgendwas musikalisch hochwertiges präsentiert wird. Was ja angesichts von Namen wie Heinz Rudolf Kunze oder Roger Cicero nicht ganz unwahrscheinlich war. Aber weit gefehlt.
Das erste Ärgernis der Sendung war aber der Moderator. Thomas Hermanns (keine Ahnung, wie der sich schreibt, who cares?). Der Typ ist für meine Begriffe einfach nur affig. Außerdem hab ich bei dem immer das Gefühl, als hätte er als Versuchskaninchen für sämtliche, auf dem freien Markt erhältliche Zahnweiß-Cremes gedient. Und vielleicht auch für ein paar, die in Deutschland verboten sind. Denn bei normalen Menschen dürfte das Zeug die Zähne vermutlich bis auf die Wurzeln abfressen. Ich glaube ja, dass seine Zähne ein Eigenleben führen und so was denken in der Art von: „Wenn der Typ schon keine Ausstrahlung hat, müssen wir halt für ein bißchen Glanz sorgen…“ Und das würde möglicherweise sogar funktionieren, würde er beim Grinsen das Gesicht nicht allzu oft so verziehen, als müßte er ganz dringend aufs Klo.
Na ja, sei‘s drum, er wird ja nicht die ganze Zeit zu sehen sein, dachte ich. Aber weit gefehlt. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wurden während der langen, langen Sendung (1,5 Stunden?) ganze drei Lieder präsentiert! Ist das zu fassen, wofür hier Sendezeit und (vermutlich) viel Geld verbraten wurde?
Nicht genug, dass der Moderator einer der nervigsten seiner Gattung ist (und vermutlich ein Grund, warum Schwule in unserer Gesellschaft noch nicht gleichberechtigt sind). Nein, um den Zuschauer weiter zu quälen hat die ARD keine Kosten und Mühen gescheut und solche Weltstars wie Paola oder die Kessler-Zwillinge auf die Bühne gebracht. Wer die nicht kennt: Erstere war mal ein Schlager-Star, die letzteren beiden in grauer Vorzeit (in diesem Fall buchstäblich im letzten Jahrtausend) leidlich prominent, für mein Gefühl aber immer der Inbegriff der nervigen Tanten, deren Besuch man schon mit Grauen erwartet und die nichts Besseres zu tun haben, als den süßen kleinen Neffen an sich zu drücken und mit nach Zahnersatz-Reiniger riechenden feuchten Küssen zu narkotisieren. Und dann auch noch das dümmliche Gelaber. Was man da nicht alles erfuhr! Dass ihnen bei ihren Auftritten ein Kloß im Hals steckte! Wow! Wer hätte das gedacht! So was aber auch…
Ach übrigens, wenn ich Auto fahre, habe ich so gut wie jedes Mal die Hände am Steuer! Sensationell, nicht?
Aber ich schweife ab. Ich wollte ja noch über das schreiben, was eigentlich der Hauptgrund der Sendung hätte sein sollen (aber aufgrund ganzer dreier präsentierter Lieder eben nicht war): Die Musik nämlich.
Nächstes Ärgernis: Heinz Rudolf Kunze. Im Grund mag ich einiges von dem, was er geschrieben hat, aber was er da präsentierte war wohl mit Abstand das banalste, dämlichste und musikalisch belangloseste, was er in seiner ganzen Karriere zustande gebracht hat.
Angesichts eines oberpeinlichen Auftrittes als Mittvierziger (oder -fünfziger, oder -sechziger…?) mit getönter John Lennon-Gedenkbrille und einem Lied mit dem Titel „Die Welt ist Pop“ hatte ich kurzzeitig überlegt, ob ich nicht in meinen Mac reihern soll…Zu den peinlich demonstrativ ins Publikum gestreckten erhobenen Peace-Zeichen (vielleicht wollte er aber auch nur eventuelle Tomatenwürfe abwehren) passten natürlich seine Platitüden, wie toll/wichtig oder was auch immer doch der Grand Prix ist und wie wunderbar doch dieser neu erwachte Frohsinn in Deutschland sei. Aua!
So, damit zum zweiten Titel, gesungen von drei Mädchen, deren Namen ich vergessen habe, der aber (mangels Wichtigkeit) vermutlich auch nie in einer „Wer wird Millionär“-Sendung abgefragt werden wird. Abgesehen davon frage ich mich, wo der Sinn in einem Länder-Grand Prix liegt, wenn:
a) Das Lied nicht in der Landessprache gesungen wird
b) Das dargebotene Liedgut nicht einen Funken Originalität aufweist sondern eher nach einem übriggebliebenen Pop-Soul-Quark, der es aufgrund der eher minderer Qualität nicht auf ein „richtiges“ Album schaffte. Ach ja, und auch hier durfte natürlich das „Heile Welt“-Gesülze nicht fehlen. So Dummgeschwätz von wegen ‚„Man kann alles erreichen, wenn man nur dran glaubt“. Danke, aber wenn ich solchen Quark hören will, gehe ich lieber in die nächste Bibliothek und hole mir einen der unzähligen „Think Positive“-Ratgeber, das ist billiger. Na ja, wenigstens konnten sie ein ganz kleines bisschen singen, wenn auch nicht sehr originell (milde ausgedrückt).
So, als dritter im Bunde war Roger Cicero dran (der es dann auch tatsächlich geschafft hat zu gewinnen, was angesichts der Mitbewerber aber auch nicht sonderlich schwer war) angesichts des nicht wirklich genialen Stückes mit dem Titel „Frauen regier‘n die Welt“ aber doch wieder nicht sooo wahrscheinlich.
Jedenfalls machte sich bei mir auch hier recht schnell Ernüchterung breit. Textlich und musikalisch beurteilt: Na ja. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Das Lied klang verdächtig danach, als sei es bei der Vorauswahl für ein neues Album übriggeblieben. Jedenfalls erinnerte es mich allzu stark an einzelne Titel Ciceros „Männersachen“-CD (die mir im übrigen sehr gut gefallen hat). Ansonsten vermutlich immer noch das „beste“ Stück dieser drei „Ohrwürmer“.
Was bleibt als Schlußfazit? Nicht viel. Jedenfalls nichts musikalisch relevantes, meiner bescheidenen Meinung nach. Nichts, was man sich ein zweites (oder gar ein erstes) Mal anhören müßte. Ich vermute ja, dass die Beschränkung auf nur drei Titel eher aus der Not heraus geboren wurde. Denn wenn schon die drei dargebotenen Stücke so mittelmäßig waren, wie klang dann wohl der Rest? Wenn es überhaupt noch weitere Bewerber gab…
Und da fragt man sich seitens der Öffentlich-Rechtlichen noch, wieso sich die Leute über hohe GEZ-Gebühren aufregen. Wenn ich ein Brechmittel wollte, wäre der Gang in die Apotheke jedenfalls wesentlich billiger. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt angelangt wären, denn ich vermute stark, dass ein Großteil der Gelder für diese Sendung für Thomas Hermanns bzw. sein lebenslanges Abonnement für Zahnweiß-Cremes draufging…
Carsten Weidling said,
May 14, 2007 @ 2:36 pm
Schlager Grand Prix oder Balkanexpress?
Wenn man sich in diesem Jahr den Schlager-Grand-Prix, oder nennen wir es „Eurovision Song Contest“ oder irgendwie anders, gesehen hat, fragt man sich zu recht, warum wir da überhaupt noch mitträllern. Der großartig swingende Roger Cicero hatte nicht den Hauch einer Chance gegen die osteuropäische Achse der Muse. Nun sagen wir mal so, er hatte noch ein bisschen mehr Chancen als DJ Bobo, der durch die Qualifikation musste und dann dort gegen die musikalische Druschba-Trasse rausflog. Das Ergebnis der Hauptveranstaltung ließ einen dann demzufolge auch nicht mehr staunen. Dünne Liedchen, genährt durch den offensichtlich miserablen Musikgeschmack ewig wiederkäuender Produzenten, schossen an den paar guten Interpreten so schnell und heftig vorbei, dass sich zum Tinitus auch ein Jetlag gesellte. Was ist da los? Hat Osteuropa kollektiv das Handy für sich entdeckt, um sich nun die kleinen slawischen Fingerchen wund zu simsen? Und überhaupt, warum nennt man die Veranstaltung nicht gleich „Der Balkan sucht den Superstar“? Eines allerdings ist irgendwie erfreulich. Schön zu sehen, wie die Bruderländer östlich von Görlitz zusammenhalten und sich gegenseitig auf die vordersten Plätze hieven. Da fragt man sich doch, wieso sich Jugoslawien, die ČSSR und die UdSSR überhaupt auflösen mussten, wenn sie sich doch zumindest in Balalaika-Fragen als jeweils ein Volk betrachten. In Westeuropa (wozu wir Ostdeutschen ja nun durch den Humor der Geschichte plötzlich gehören) funktioniert das nicht so prima. Schon immer haben die Österreicher und auch die Schweizer uns keine Punkte gegeben und so viele Points haben die Alpenländler von uns auch nicht bekommen. Doch nun ist es gänzlich aus dem Ruder gelaufen.
Doch wie kann man das noch retten? Mit Siegel, Raab, Guildo und Nicole sicher nicht mehr. Wenn überhaupt, dann nur durch Landsleute mit osteuropäischen Migrationshintergrund. Wir dürfen gespannt sein.
Christian bleck said,
May 15, 2007 @ 11:55 am
Ich verstehe nicht wie man bei einem Wettbewerb noch mitmachen kann, bei dem keine Aussicht besteht zu gewinnen ….
Gruß
Christian